teaser individuell

mathenacht 2017 012

„Jedes Kind hat sein individuelles Profil. Die Herausforderung im individualisierten Unterricht besteht darin, Unterrichtssituationen zu schaffen, die dieser Unterschiedlichkeit einigermaßen gerecht werden.“ (Kerstin Tschekan, Kompetenzorientiert unterrichten. Berlin 2011, S. 125)


Die größte Herausforderung, vor der Schulen heute stehen, ist die immer größer werdende Heterogenität der Lerngruppen. Bestehende Unterschiede im kulturellen Hintergrund, im Alter und Geschlecht, im Vorwissen und im Bereich der individuellen Interessen wirken sich auf Lernvoraussetzungen, Entwicklungsmöglichkeiten, Leistungsfähigkeit, Leistungserwartungen, Lernstrategien sowie den individuellen Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler aus. Dieser Entwicklung vorbereitet entgegentreten zu können, wird eine der Hauptaufgaben der Schulentwicklung der nächsten Jahre sein. Individualisierende Lehr- und Lernkonzepte sind eine entscheidende Antwort auf diese zunehmende Heterogenität in den Klassen. Im Zentrum des Unterrichts steht zukünftig nicht mehr die reine Wissensvermittlung, sondern das Entwickeln von Kompetenzen. Über die selbstständige Auseinandersetzung mit Sachinhalten und komplexen Aufgabenstellungen eignen sich die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse, Fähigkeiten sowie Einstellungen und Haltungen an, um in immer neuen Situationen erfolgreich handeln zu können. In diesem Kontext verändert sich nahezu zwangsläufig die Rolle der Lehrpersonen. Die Lehrkräfte organisieren den Lernprozess und damit den individuellen Lernzuwachs der einzelnen Schülerinnen und Schüler, sie entwickeln sich zunehmend vom Wissensvermittler zum Lernberater.

Viele unserer seit Jahren bewährten Konzepte gehen bereits in diese Richtung. Individualisiertes Lernen findet in der musikalischen Förderung, in den MINT-Fächern, im naturwissenschaftlichen Praktikum sowie in den vielfältigen Wettbewerbsbeiträgen unserer Schule statt. Sowohl das EVAT-Projekt (Entdecken, Verstehen, Anwenden, Transferieren) als auch das Konzept des „Lernens durch Lehren“ sowie die Einrichtung und Weiterentwicklung der Lernateliers bieten darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten des selbstorganisierten und kompetenzorientierten Lernens.    

In unseren Lernateliers stehen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch in Jahrgang 7 jeweils 60 Minuten pro Woche für das eigenständige Lernen zur Verfügung. Hier arbeiten die Schülerinnen und Schüler nach individuellen Lernplänen selbstorganisiert. Die Aufgaben werden in Form von „Grundbausteinen“, die für alle verpflichtend sind, und „Sternbausteinen“, die für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gestaltet sind, organisiert.

Unsere Bemühungen, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, werden von der Überzeugung getragen, dass ein Förderkonzept sowohl unterrichtsexterne (Förderung von Teilleistungsschwächen, Enrichment und Drehtürmodell als Möglichkeiten der Begabtenförderung) als auch unterrichtsinterne Lösungen bereitstellen muss, in denen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen der regulären Unterrichtsstunden individuell gefördert werden können.

Einen zentralen Baustein des Qualitätsmanagements und damit auch eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Schulentwicklungsprojekten stellt für uns gerade im Bereich der Fördermaßnahmen eine etablierte Feedbackkultur dar, mit der die vollzogenen Entwicklungsschritte permanent hinterfragt, überprüft und effektiviert werden können.

In den nächsten Jahren wird unser Fokus schwerpunktmäßig auf die räumliche und pädagogische Ausgestaltung unseres Neubaus gerichtet sein. Wir werden ein Selbstlernzentrum einrichten, Lernlandschaften gestalten und die neuen Räume als „dritten Pädagogen“ nutzen, um komplexe Lernsituationen zu arrangieren, die ein permanentes Wechselspiel verschiedener Lernphasen der Instruktion, Erarbeitung, Präsentation und Reflexion der Arbeitsergebnisse ermöglichen und damit ein eigenverantwortliches, individualisiertes und kompetenzorientiertes Lernen aller Schülerinnen und Schüler organisieren.