archiv-2012-13

Málaga 2012

ma-210Sonne, Strand und Schule… Das alles vereint hatten 15 Schüler der 10 Klassen auf der Málaga-Reise vom 23.09-30.09.2012 mit Herrn Stumpf und und Herrn Fromhage.

Nachdem wir die Flüge etwa 10 Monate im Voraus gebucht hatten, ereilte uns über Nacht die Horrornachricht: Die Fluggesellschaft war pleite gegangen. Außer einem Endlosband des Anrufbeantworters schien von dem Unternehmen Spanair und unserem Geld nichts mehr übrig. Völlig verzweifelt fuhr ich zum Flughafen Fuhlsbüttel in der Hoffnung, am Schalter wenigstens noch einen Verantwortlichen zu erwischen oder auch nur ein paar Kugelschreiber zu ergattern. Aber Fehlanzeige. Auch die Schulbehörde konnte uns da nicht viel Hoffnung machen. Der Elternbrief war bereits geschrieben. „Liebe Eltern, es tut uns Leid, Ihnen mitteilen zu müssen…“: Ihre 350 Euro Anzahlung sind für die Katz. Und da kam plötzlich ein Anruf der Postbank, über die wir mit Kreditkarte bezahlt hatten und, jaa diese unerlaubte Werbung eines öffentlichen Institutes muss an dieser Stelle gemacht werden. Denn aus reiner Kulanz haben sie uns das Geld, abzüglich einer geringen Gebührt praktisch geschenkt, in der Hoffnung, mit den eigenen Anwälten noch etwas aus der Kulanzmasse zu bekommen.

Aber damit war die Reise gesichert und ein riesiger Stein fiel uns Lehrern vom Herzen.

 

Anreise und Ankunft

ma-1Etwa ein halbes Jahr später saßen 15 Schüler und ich im Flugzeug nach Málaga. Manch ein Elternteil mag denken, dass nun die Arbeit für die Lehrer erst losginge, aber es war genau andersrum. Jetzt war der schlimme Teil vorbei, der angenehme Teil der Arbeit stand bevor.

Eindrucksvoll konnten wir geographische Phänomene am eigenen Leib erfahren, als der Flieger hinter der Sierra Nevada in die Fallwinde geriet und hunderte Meter absackte, was bei einige Schülern geradezu Begeisterung, bei anderen Panik auslöste. Am Flughafen wurden wir dann abgeholt und etwa um halb zehn abends zu unserem Treffpunkt mit den Familien an der Schule gebracht. Dann ging auf einmal alles ganz schnell: Küsschen links, Küsschen rechts und plötzlich waren alle Schüler weg. Ein mulmiges Gefühl überkam mich. Ich hatte die Eltern nicht einmal richtig in Augenschein nehmen können und schon hatten sie meine Schüler mitgenommen. Alles, was ich bis dato über die Familien wusste, waren Bits und Bytes über den Emailkontakt, den ich mit der Organisation gepflegt hatte.

Ebenso wie die Schüler, war auch ich bei Spaniern untergebracht und wurde von meiner Familie abgeholt. Carmen war unglaublich nett und konnte vor allem eines: Kochen und das kalorienarm und gleichzeitig typisch spanisch. Eine seltene Kombination.

Aber allzu viel Zeit, um mich einzurichten blieb gar nicht, denn ich musste Herrn Stumpf zu unserer Unterkunft lotsen. Freundlicherweise war Herr Stumpf für Frau Holub, die aus familiären Gründen nicht mitkommen konnte, eingesprungen und hatte nur noch einen späteren Flug bekommen.

Wie immer, wenn Schüler bei Familien wohnen, war auch hier die große Lotterie des Lebens am Werke: Einige wohnten in riesigen Wohnungen im Zentrum mit sich rührselig kümmernden Eltern, die allerlei Köstlichkeiten auffuhren, andere wohnten weniger komfortabel, bekamen die Eltern kaum zu Gesicht und mussten sich selber etwas kochen. Immerhin war der Kühlschrank in diesem Fall gefüllt.

Familienleben

Nur in einem Fall gab es ein paar Probleme. Am 2. Abend, als Herr Stumpf und ich uns gerade gemütlich zum Tapasessen hingesetzt hatten, klingelte das Telefon: Krisensitzung am Strand. Sofort brachen wir auf und trafen uns mit den Schülern.

In einer der Familien gab es diese alte Frau, die erstens schwerhörig war und zweitens bis nachts um vier fernsah, und zwar in Diskolautstärke. Tatsächlich waren das keine idealen Voraussetzungen um fit für die Sprachschule zu sein und die Hemmschwelle diese Frau zu bitten, den Fernseher leiser zu machen und das auch noch schreiend, war relativ hoch. Für den Abend zumindest, empfahlen wir den Schülern, es noch auszuhalten und alles weitere am nächsten Tag zu klären.

Nach einem Anruf von Paco, dem Schulleiter, bei der Familie wurde uns am nächsten Tag alles klar. Die alte Dame hatte zwar den Kopfhörer aufgehabt, aber das Kabel nicht eingesteckt. Aufgrund ihrer Schwerhörigkeit hatte sie es leider nicht bemerkt. Nun aber war das Drama komplett: Die Tochter der alten Dame, die direkt nebenan wohnte und ebenfalls Schüler von uns beherbergte, fing einen fürchterlichen Streit mit ihrer Mutter an. Beide schrien sich für ein paar Minuten an, keiften und zankten. Aus Sicht unserer Schüler hatten sie nun ein Familiendrama ausgelöst. Ich konnte die Schüler lediglich etwas damit beruhigen, dass der spanische Umgangston bisweilen etwas temperamentvoller ist als der deutsche.

Abgesehen von diesem Fall waren die Schüler in ihren Familien sehr zufrieden und konnten sich zu ihrem eigenen Erstaunen auf Spanisch gut verständlich machen.

 

Die Schule

Vielleicht der Hierarchie der Dinge nicht ganz angemessen spät in diesem Bericht nun also etwas über die Schule. Die Schule liegt auf der Malagueta, einer kleinen Halbinsel mit breitem Strand auf der einen und Kreuzfahrtterminal auf der anderen Seite. Hätten wir nicht ausgerechnet die einzigen drei Tage Regen im Jahr erwischt, wären wir sicher noch öfter zum Strand gegangen.

Für den Unterricht wurden die Schüler in zwei Gruppen und zwar nach Niveau aufgeteilt, wobei sich im Nachhinein herausstellte, dass im höheren Niveau, vermutlich aufgrund der Lehrkraft, eigentlich weniger anspruchsvoller Unterricht geboten wurde. Aber, und das finde ich ganz erstaunlich: Der Unterricht sowie alle Erklärungen und jegliche Konversation fanden auf Spanisch statt. Dabei machten die Schüler ihre Sache wirklich gut.

Am zweiten Tage wurden wir wieder mit den etwas chaotischen Organisationsstrukturen in Andalusien konfrontiert. Denn eine Lehrerin erschien einfach nicht. Keine Nachricht, keine SMS, kein Anruf. Bei uns wäre das jetzt der Zeitpunkt gewesen, die Polizei oder die Feuerwehr zu rufen, aber in Spanien ist man da nicht so. Wie sich ein paar Tage später herausstellte, musste die Lehrerin spontan auf ihr Kind aufpassen. Aber die Schule bemühte sich sehr, diesen Ausfall wieder wettzumachen, organisierte schnell Ersatz und holte die Stunde nach. Wie ich feststellen musste, war die Ersatzlehrerin viel besser und hat richtig guten Unterricht gemacht.

Nach vier Stunden täglich, jeweils in Gleitzeit später beginnend mit längeren Pausen, aber auch mit weitaus länger dauerndem Unterricht, bekamen die Schüler am Ende ihr verdientes Diplom A1.

 

Kulturelle Aktivitäten

Andalusien ist eine sehr geschichtsträchtige und vielfältige Region, in der sich Christentum, Islam und Judentum über Jahrhunderte hinweg mischten. Diese angeblich so friedliche Zeit des Mittelalters wird von den Andalusiern immer wieder stolz als Beispiel ihrer Toleranz angeführt. Da fragt man sich nur, warum die Araber vertrieben wurden.

ma-2Auf der Stadtführung auf Spanisch erfuhren wir jede Menge über diese reichhaltige Geschichte. Besonders greifbar wurde die kulturelle Vielfalt für uns, als wir zum römischen Theater geführt wurden, das auf phönizischen Fundamenten gebaut ist und direkt vor dem Alcazaba, der arabischen Festung steht. Neugierig folgten die Schüler unserem Führer Miguel Angel, der mit seiner besonders einfühlsamen Art die Aufmerksamkeit der Schüler immer wieder zu wecken wusste.

Höhepunkt der kulturellen Aktivitäten war sicherlich das Flamenco-Seminar von Antonio Andrade, der uns im Vorfeld hochtrabend als internationaler Künstler angekündigt wurde. Als Spanienkenner war mir diese Art von Overstatement gut bekannt und ich rechnete mit dem Schlimmsten. Aber Antonio ist wirklich ein international anerkannter Künstler, der demnächst sogar in Hamburg auftritt. Naja, und wenn er gerade nicht auf Welttournee ist, dann gibt er Seminare in einer Sprachschule auf der Malagueta. Das Faszinierende am Flamenco ist, dass es einerseits die Musik der einfachsten Leute ist, die Musik der Armen in den Ghettos und gleichzeitig ebenso elaboriert und kompliziert wie Free-Jazz. Allein die einfachste Form der Palmadas, des Händeklatschens, ist in einen schwierigen 12 Schläge-Rhythmus, der zwischen Dreiviertel und Viervierteltakt wechselt, aufgeteilt.

Und auch beim Flamenco geht es wieder um Mischung von Kulturen. Denn der Flamenco ist nicht nur die Musik der Zigeuner, sondern ebenfalls die Musik all der Länder, durch die sie auf ihrem Weg von Indien nach Europa gereist sind.

Flamenco ist auch eine sehr traurige Musik, so Andrade, und als er erzählt, wie er und seine Freunde nachts in einer Bar Klagelieder über ihre verstorbenen Mütter anstimmten und dabei anfingen zu weinen, fragt man sich, was der Flamenco so alles mit einem erwachsenen Mann anstellen kann. Zum Abschluss gab Antonio noch ein Stück zum Besten und zeigte dabei eine Fingerfertigkeit, die Ihresgleichen sucht.

An anderen Tagen besuchten wir noch ein Museum über spanische Bräuche und den Markt, der, vor allem wegen der Art und Weise, Tiere im Ganzen ohne Haut zu präsentieren, eine große Attraktion für die Schüler war.

Auch ein Museum mit Bildern von Picasso, der aus Málaga stammt, haben wir besucht. Allerdings haben sich anscheinend andere Museen die großen Werke unter den Nagel gerissen. In Málaga gab es hauptsächlich Skizzen, Blaupausen und sonstige unbekannte Werke zu sehen. Bleibt nur zu vermuten, ob die großen Werke Picassos das Interesse der Schüler mehr geweckt hätten. Interessanter war für die Schüler sicher die Paella, die uns die Schule am letzten Schultag zubereitete.

 

Tapas und Abschied

ma-3Tapas, das sind kleine zum Getränk gereichte Häppchen, sind mein persönlicher Höhepunkt der andalusischen Kultur. Dies wollten wir unseren Schülern nicht vorenthalten und organisierten am letzten Abend ein kleines gemeinsames Tapasessen. Für 5€ bekam jeder Schüler drei Tapas, was im Vergleich zu Hamburger Verhältnissen enorm viel ist. Bei einem Glas Coca-Cola und Tapas ließen wir die schöne Sprachreise ausklingen. Am nächsten Tag ging es entspannt los, und die notorischen beiden Zuspätkommer beschränken ihre Verspätung auf 5 Minuten, was in Anbetracht der Woche, die doch auch ein paar Kontrollanrufe bei den Eltern und Früh-ins-Bett-gehen Sanktionen erforderte, nur wenig Stress bei uns Lehrern verursachte. Heil, satt und zufrieden mit einem neuen Wort- und Erfahrungsschatz kamen wir in Hamburg an. Ich freue mich auf die Reise im nächsten Jahr.

 

Jost Fromhage

© Gymnasium Bondenwald 2017

b-juprae-100

b-Bildungspreis b-berufsbildung-100 mint logo 1893tek f4d720a80084212

. Joomla 3.0 templates. All rights reserved.