archiv-2010-11

Chorreise Eltern-Lehrer-Chor

Die Chorreise nach Salderatzen oder: Schöner leiden mit Brahms

Chorreise_200Freitag Abend, irgendwo im Wendland, tiefste Dunkelheit. Ich suche das „Herrenhaus Salderatzen“, mein Navigationsgerät auch. Als es mir quasi auf freiem Feld mitteilt, „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, weiß ich, dass uns hier wirklich, wie nachgelesen, „Ruhe und Abgeschiedenheit“ erwarten.

Zumindest per Handy erreiche ich das Herrenhaus direkt und treffe kurz darauf auf einem schönen alten Gehöft ein. Der Eltern-Lehrer-Chor nebst Chorleiter Florian ist bereits fast vollständig eingetroffen, im Speiseraum steht schon ein ansehnliches Buffet aus mitgebrachten Leckereien und ein nicht weniger beeindruckendes Sortiment guter Weine aus etwa 20 Niendorfer Kellern. Das sieht doch viel versprechend aus!

Der erste Abend wird nett. So nett, dass wir nach gutem Essen und kurzer Murmelphase gemeinsam Karaoke singen, denn ein umsichtiger Vater (Danke!) hat seine Anlage mitgebracht. Florian lacht Tränen bei einer Techno-Version von „Griechischer Wein“, Dizzie, unsere einzige Tenörin, erweist sich als textsichere Rockröhre, und Susann aus dem Schulbüro als versierte Sirtaki-Tänzerin. Die Gespräche sind anregend, aber nicht anstrengend, die Atmosphäre ist gelöst und ziemlich fröhlich. In dieser Nacht lachen wir viel und schlafen wenig.

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Ein umfangreiches Frühstücksbuffet und viel Kaffee füllen am nächsten Morgen die Reserven wieder auf, dann beginnen wir zu arbeiten. Auf dem hubbeligen Kopfsteinpflaster im Hof atmen und turnen wir, summen und tönen, machen Muskeln und Stimmen warm. Im Probenraum üben wir einen allseits bekannten Klassiker in einer nicht existierenden Sprache, leiden absichtlich dissonant mit Brahms – was für ein wunderschönes Stück! - und swingen, mitunter auch hier dissonant (aber eher unabsichtlich) mit Schumann.

Zwar hat das hofeigene Klavier seine besten Jahre bereits hinter sich, aber die Akustik ist gut und die Moral hervorragend. Keine Termine, niemand muss noch einkaufen oder das Essen vorbereiten, alle haben Zeit und vor allem Lust zum Singen. Großartig.

Nach einem Imbiss – frische Suppen, warmes Brot, Salat – und Mittagspause wahlweise unterwegs in frischer Landluft oder gemütlich mit einem guten Buch in der Waagerechten (oder auch mit 28 Tests und Rotstift an einem Tisch, aber c´est la vie…) geht es weiter, wir kommen musikalisch voran und freuen uns auf den zweiten Abend.

Die erste Hälfte verbringen wir in Jameln (zehn Minuten durch Felder und Wiesen, dann plötzlich wieder Zivilisation) in einem Gasthof, wo Köstlichkeiten vom offenen Grill serviert werden. Leider gibt es auch hier guten Wein und eine unwiderstehliche Dessertkarte, aber ernsthaftes Singen verbraucht schließlich viele Kalorien.

Na ja, vielleicht nicht soo viele. Was soll´s.

Weniger ausgelassen, dafür schon um einiges vertrauter miteinander verbringen wir den restlichen Abend im Herrenhaus. Ich höre spannende und persönliche Geschichten, freue mich über Offenheit, Interesse und die Tatsache, dass hier so unterschiedliche Menschen so unkompliziert und harmonisch aufeinander zu- und miteinander umgehen.

So lernt man die Eltern der Kinder, die man unterrichtet, sonst nicht kennen. Und die einen auch nicht. Auch dieser Abend endet spät.

Am nächsten Morgen wird noch einmal geprobt, die unabsichtlichen Dissonanzen sind deutlich weniger geworden, Florian erklärt, warum der Brahms an dieser Stelle so und nicht anders klingen muss, stellenweise wird an Feinheiten gefeilt, und hörbare Erfolge machen stolz.

Die (Sommer-)Zeit vergeht schnell, auf einmal ist es halb zwei, noch eine gemeinsame Mittagspause, Gruppenfoto – und schon ist sie vorbei, die erste Reise des Eltern-Lehrer-Chors. Schade.

Wir haben das letzte Märzwochenende für 2012 bereits vorgemerkt.

Andrea Mehler

Fotos: Ronald Frommann

© Gymnasium Bondenwald 2017

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