Frankreichaustausch mit Caen 2010

bild1Wieder einmal haben 30 Bondenwald-Schüler der 7. Klassen am Austausch mit der französischen Stadt Caen teilgenommen und jede Menge landesübergreifender Freundschaften geschlossen. Begleitet wurde die Reise von Herrn Dr. Wäntig, Frau Dreves und Herrn Fromhage.


Ankunft
bild2Nach einer langen Zugreise, einschließlich Sightseeing-Tour im Gänsemarsch quer durch Paris, kamen die Schüler erschöpft, doch ebenso gespannt in Caen an. Neugierig wurden sie von Gastschülern und Eltern, die sich auf dem kleinen Bahnsteig in Caen dicht drängten, in Empfang genommen. Doch hundertfaches Proben und theoretisches Durchexerzieren der ersten Lektion des Französischbuches hatten nichts geholfen: Die Begrüßung der Austauschpartner war doch sehr verhalten und ließ vor allem eines vermissen: die bise (1). Stattdessen einigte man sich auf ein schüchternes Nicken beiderseits. Umso intensiver sollten eine Woche später die Abschiedsrituale ausfallen - aber dazu später mehr.

 

Als Französischlehrer sind wir natürlich mit gutem Beispiel vorangegangen und haben unsere „Austauschlehrer“ Mme Sauveur und Mme Auvray dem Protokoll entsprechend mit Küsschen begrüßt.

Nach der ersten Nacht auf fremdem Territorium wurden wir mit gehissten Flaggen im Collège  Guillaume de Normandie empfangen. Und schon überraschten uns die Schüler mit neuen faszinierenden Details über das französische Schulsystem: Die Holztreppen darf man nur nach oben gehen und die Steintreppen nur nach unten. Nach der förmlichen Begrüßung ging es auch schon gleich zur Sache und die deutschen Schüler nahmen in allen möglichen Fächern am Unterrichtsalltag ihrer corrès (2) teil.

Le Mont-Saint-Michel

bild3Der Ausflug zum Mont-Saint-Michel zählte sicherlich zu den touristischen Höhepunkten des Austausches. Noch heute streiten sich Normannen und Bretonen darum, zu welcher Region die ein paar Kilometer vor der Küste auf eine Insel gebaute Abtei gehört. Völlig unberührt von diesen regionalen Querelen erklommen wir die festungsähnliche Klosteranlage und während der anschließenden Führung wurde uns klar, mit wie wenig die Mönche von damals auskommen mussten. Doch auch mit heutigem Wissensstand und moderner Kleidung setzte uns das normannische Klima ganz schön zu. So mussten wir feststellen, dass wir, was das Wetter angeht, vom Regen in die Traufe gekommen waren. Doch der Normanne nimmt es anscheinend mit Humor. Insofern haben wir es mit Caen als Austauschstadt gut getroffen. Bei dem folgenden Picknick zeigte sich doch noch einmal die Sonne und, so stellten wir Lehrer mit Freude fest, die Deutschen und Franzosen mischten sich zum ersten Mal in kleinen Grüppchen. Die einzige dokumentierte Erkältung bekam übrigens unsere Austauschlehrerin Mme Sauveur, die uns, trotz triefender Nase, die komplette Woche mit größtem Einsatz unterstützte.

 

Das Wochenende

Für ein ganzes Wochenende nun waren unsere Schüler ihren corrès und deren Familien „ausgeliefert“. Und sicher hatte auch der eine oder andere Schüler ein wenig Heimweh.  Doch die Franzosen setzten mit einem von langer Hand geplanten Unterhaltungsprogramm alles daran, Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen. An der Spitze der Aktivitäten stand ganz eindeutig das „Lasergame“.  Was den kulturbeflissenen Pädagogen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lässt, war für die Schüler ein Hit. Bei einer Mischung aus „Fangen im Dunkeln“, „Counter Strike“ und „Paintball“ jagten sich die Schüler, mit Laserkanonen bewaffnet, gegenseitig durch ein abgedunkeltes Haus. Beim Spiel, so wurde uns berichtet,  hörte die Freundschaft allerdings auf, denn die Franzosen waren schon im Training und kannten keine Gnade. Spaß gemacht hat es dennoch allen.  Andere Schüler machten derweil Ausflüge nach Paris, gingen am Strand spazieren oder schauten sich die nähere Umgebung an. Auch wir Lehrer fanden Zeit, die Stadt zu erkunden, denn das Sorgentelefon verhielt sich relativ ruhig.

 

Willhelm der Eroberer

bild5Am Montag fanden sich die Schüler im sicheren Hafen der Gruppe wieder und konnten ihre Erfahrungen austauschen. Während der Stadtführung begaben wir uns auf die Spuren Wilhelm des Eroberers (Guillaume le Conquérant) und erfuhren, dass er die wichtigsten historischen Bauten der Stadt Caen, die Abbaye aux dames und die Abbaye aux homme, als Ablass-Dienst für die Heirat seiner Cousine bauen ließ. Auch Fußspuren der eigenen Vorfahren fanden wir beim Besuch der Mairie (3) wieder. Erst 2004 war es nämlich einem Deutschen, dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder, erlaubt,  bei der Jahresfeier des D-Day anwesend zu sein. Es war zu spüren, wie aktuell Geschichte sein kann und dass etwas, was für die Schüler sehr weit weg erscheint, wie eben der Zweite Weltkrieg, für Andere auch heute noch von Bedeutung ist.

 

 

Die „Plages du Débarquement“

bild6Auch bei der Besichtigung der Strände, an denen die Alliierten am 6. Juni 1944 anlandeten, wurde uns bewusst, wie präsent die Befreiung Frankreichs in dieser Region auch heute noch ist. Wieder aufgebaute militärische Brücken,  alte Kriegsflugzeuge, kilometerweites Niemandsland, mobile Anlegestege und Bunkeranlagen – die Überreste des Krieges prägen eindrucksvoll die Landschaft und ließen uns auf den Spuren der Geschichte wandeln – bisweilen mit einem mulmigen Gefühl, das sich bis zum deutschen Soldatenfriedhof fortsetzte.

 

Am Nachmittag machte uns das normannische Wetter einen Strich durch die Rechnung. Statt des geplanten Picknicks im Sonnenschein blieb  der deutsch-französischen Gruppe nichts anderes übrig, als bei prasselndem Regen, unter einem Schuppen  eng zusammengekauert, Mittag zu halten und die Erfahrungen vom Vormittag zu verdauen. Erst nach einer ausgiebigen Mittagspause des Busfahrers traten wir den Rückweg an.

Bayeux und der Abschied

Am letzten Tag schauten wir uns einen der wohl ältesten Comics aus dem Mutterland der Bande Dessinée (4) an: die Tapisserie von Bayeux. Auf einem siebzig Meter langen Teppich aus dem 11. Jahrhundert wird dort die Geschichte Wilhelm des Eroberers erzählt.  Die Ausstellung ist so konzipiert, dass jeder Besucher mit einem Audio-Guide den Teppich entlang geschleust wird. Alles in allem: ein pädagogisch sehr wertvoller Comic.

bild7Am Abend begann dann die Abschiedsfeier in der Cafeteria der Schule. Die französischen Eltern hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, gekocht, gebacken und eingekauft, so dass uns ein üppiges Buffet zur Verfügung stand.

 

Und schon beim Aufbau zeigte sich, wie die Schüler nun zusammengewachsen waren: Entgegen aller Anweisungen der Lehrer bestanden sie darauf, alle Schüler, das heißt deutsche und französische, an eine gemeinsame Tafel zu setzen. Die Eltern sollten, bitteschön, nur am Rande an Einzeltischchen Platz nehmen. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Der Abend endete mit Musik und fröhlich tanzenden Schülern.

 

Am nächsten Morgen in aller Frühe fanden sich Franzosen und Deutsche am Bahnhof wieder. Und die Bondenwälder hatten nun auch die bise gelernt. Doch dabei blieb es nicht:  Die Korrespondenten fielen sich in die Arme und Tränen flossen – eine sehr schöne Woche ging zu Ende.

 

(1) la bise:  Kuss (auf die Wange)

(2) le/la corrés: Kurzform für Austauschschüler

(3) la Mairie: Rathaus

(4) la Bande Dessinée (BD): Comic

© Gymnasium Bondenwald 2017

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